Ein un-poL-itisches Finale
Die 18 Gruppenprojekte des «projektorientierten Lernens (poL)» mussten vor Publikum und Jury bestehen
Alles ist pol-itisch, ist man geneigt zu sagen. Für einmal ist es aber nicht viel mehr als ein Wortspiel. poL steht an der KZU für «projektorientiertes Lernen», ein Gefäss, in dem Viertklässler*innen sich als Projektmanager*innen versuchen - und das in Teams von 8 bis 14 Schüler*innen. Die Anlage ist zweifellos nicht ganz ohne – welches neu zusammengewürfelte Team von beachtlicher Grösse, angeleitet durch eine Lehrperson in der Rolle eines Coaches, könnte sich auf die Schnelle produktiv für ein gemeinsames Projekt entscheiden und dieses dann von der Idee bis zum fertigen Produkt durchziehen? Dass es dabei auch zu gruppendynamisch herausfordernden Phasen kommt, verwundert kaum. Schule soll ja bekanntlich Vieles trainieren, was später wichtig sein wird. Zu bestehen in einem solchen Team, sich auf eine gemeinsame Idee festzulegen, diese durch dick und dünn zu verteidigen, alle Widrigkeiten von mangelnden Finanzen bis zu nicht termingerecht gelieferten Materialien zu meistern, braucht Energie und Einsatz. Immerhin: Die Gruppenzusammenstellung wurde aufgrund von Vorlieben gemacht – und die meisten Projekte wurden nicht von Lehrpersonen sondern von den Schüler*innen selber initiiert. Dies ergibt immer wieder ein gutes Panoptikum über das, was die Jugendlichen interessiert. Es reicht von der Anteilnahme an Menschen in weniger privilegierter Situation (Jugend mit Herz, Engagement für Asylsuchende) und Tieren (Adopt, don't shop) bis hin zu ganz Handwerklichem (Modellflieger, Holzbrunnen) und seit neuestem auch bis zu Boomer Hobbies (z.B. Häkeln, Töpfern).
Auffallend am diesjährigen Durchgang war, dass es doch eher viele getrenntgeschlechtliche Gruppen gab – oder solche, wo nur je ein Junge oder Mädchen (dann aber ganz dezidiert: doch, ich will genau das!) mittaten. Vielleicht ist halt doch alles pol-itisch?! Als Coach einer reinen Knabengruppe liess ich mich in mehrfacher Hinsicht überraschen. Die (meisten) Jungs waren stets motiviert, sehr zielorientiert, fleissig, planten voraus, hatten die Finanzen im Griff und sorgten mit grossem Verantwortungsbewusstsein und Achtsamkeit dafür, dass ihr Holzbrunnen mit Solarpumpe und Wasserkreislaufsystem zum Laufen kam und das Team funktionierte. Ich musste also meine lehrerbedingt professionell deformierte Genderwahrnehmung sehr sehr revidieren (wie gut das tut!). Gleichzeitig fanden einige von ihnen immer mal wieder, dass die «Anderen» (die 17 weiteren Gruppen) ja gar keine richtigen Projekte machen würden, die würden ja nur alte Menschen besuchen oder Asylbewerber. Ok, ganz am Ziel sind wir offenbar noch nicht… poL ist ja schliesslich auch eine interessensgelenkte «Bubble». Auch gut, wenn man die dann wieder verlassen kann für den Rest des Gymnasiums.
Den Publikumspreis holte übrigens das poL «soziales Engagement für Asylsuchende», die Jury, bestehend aus 5. Klässler*innen und Lehrpersonen, entschied sich für das Theater-poL «Hals- und Beinbruch». Wir gratulieren herzlich!
Der Dank geht an die beiden Lehrpersonen Sandra Philps (Mathematik) und Bruno Brünner (Wirtschaft & Recht), welche den Jahrgang souverän durch alle Irrungen und Wirrungen von Projekten schifften. «Hals- und Beinbruch» wünschen wir allen Viertklässler*innen, welche die beiden letzten Schulwochen in einem Praktikum verbringen werden.
Text und Bilder: Jost Rinderknecht. Die Bilder zeigen die Poster zur Mitte des Projektes sowie Impressionen des Finals.