Züribieter Joghurt nature und Sisyphus interruptus
Der letzte Schultag stand ganz im Zeichen des Klimawandels
Dass LSD die Sinne arg strapazieren kann, ist allseits bekannt. Das gilt auch für die moderne Interpretation dieses Kürzels: Last School Day. Früher benannte man den Tag nach dessen Inhalt: Maturstreich. Der Streich entwickelte sich an der KZU über die Jahre ganz revolutionär im astronomischen Sinne: alle Jahre wieder (gleich): eine Wasserschlacht mit Exzessen – immerhin kein Büchersturm. Und ein versöhnlicher Abschluss mit schulleiterlicher Grillade und Salatbuffet im lauschigen Mensagarten. Dieses Jahr sollte (fast) alles anders werden, abgesehen vom gut verankerten Schluss. Dass der diesjährige letzte Schultag (wie eine Meute strahlender Jungs mit einer Tafel ankündigte: «Übrige Schultage: noch 0 Tage») im Zeichen des Klimawandels unter einem «Heat Dome» und unter der Prämisse eines Wasserschlachtverzichtes (einige sprechen von einem Verbot…) stattfinden sollte, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Die Verantwortlichen in der Schulleitung sind allerdings nicht zu beneiden. Sie schwitzen an diesem Tag mit Abstand am meisten. Einen diesbezüglichen Schulklimawandel herbeizuführen ist fast so schwierig wie den atmosphärischen Klimawandel loszukriegen.
Nach dem ersten Durchgang zu beurteilen darf man konstatieren: Es ist gelungen. Das Einzige, was noch milde an die umstürzlerischen Zeiten erinnerte, war das handgemalte Banner über dem Haupteingang – allerdings wurde schnell klar, dass «Nightlife» weniger brachial werden sollte wie «Prison» und ähnliches aus den Vorjahren. Die Jahrgang der Maturii hatte sich mächtig ins Zeug gelegt. Das durchorchestrierte Fest (mit farblich abgestuften Zutrittsbändeli und toll designten Shirts – danke, endlich mal keine Overalls, Polizeiuniformen und Militärklamotten!) war eine Party für alle Geschmäcker – «Nightlife» at «High Noon» eine besondere Herausforderung. Man wähnte sich zeitweilig fast an einem Hausfest. So gab es Frisuren-, Nagellack-, Styling-, Spiel-, Geschicklichkeits-, Dating-, Karaoke-, Gaming-, Talent- und noch viele weitere Posten – allesamt liebevoll drapiert und von (zeitweise etwas übernächtigen, aber) wohlwollenden Maturand*innen bedient. Die obligate Aula-Show mit Film, Lehrer-Schüler*innen-Quiz-Battle (ein Sieg nach Punkten für die Lehrer*innen! – eine Revanche?), mit (rektoralen und anderen) Tanzeinlagen (wow!), Herzblatt-Verkupplungsshow und «Best of» Prämierungen des Jahrgangs durfte selbstverständlich nicht fehlen – hervorragend moderiert durch zwei Jahrgängerinnen, die auch das phasenweise machohafte Auftreten der Protagonisten auf der Bühne witzig und träf kommentierten.
Erstmals legten DJs aus der Lehrerschaft auf – Sisyphus interruptus könnte als Programmname für den angestrebten Kulturwandel nicht besser passen. Auch an «Zältli» mangelte es nicht – serviert aus der «Züribieter Joghurt nature»-Box. Wird das nun der neue «LSD @ KZU»? Viel Süsses und wenig(er) Saures? Aus der Region, für die Region? Wir werden es sehen. Und hoffen, dass der Tag seinen guten Lauf nehmen wird, den er eingeschlagen hat. (Leicht r)evolutionär weiterentwickeln darf er sich auf alle Fälle. «Ä chlei stinke muess es» – gilt ganz sicher auch für diesen Tag. Das wurde auf alle Fälle schon mal eingelöst. Die Luft in der Aula war zum Schneiden – vielleicht ein Vorgeschmack auf die Maturfeier in der Stadthalle. Etwas «crunchier» darf das Joghurt nature künftig sicherlich noch werden. Und das Mensateam wird mehr Wasser für durstige Kehlen bereit stellen müssen.
Vom Nightlife berichtet hat: Jost Rinderknecht – dieses bebildert auch, zusammen mit Robert Richter
Der Dank geht an alle, die sich mit Verve für eine «neuen» Maturstreich engagiert haben.
Weitere Bilder nur für KZU-Angehörige sind hier einzusehen.