Tauchfestival

Das Perlentauchen 2026 entwickelte sich zum Apnoetauchen: Luft anhalten… und Staunen über das, was dabei herausgekommen ist.

Der letzte Freitag, der 13. März, war genau vor sechs Jahren: Aufgrund der Corona-Pandemie sah sich die KZU gezwungen, erstmals in ihrer Geschichte die Schule nicht ferienhalber zu schliessen. Man versuchte es nochmals mit diesem legendären Datum, diesmal allerdings, um den Maturarbeiten die Krone aufzusetzen, welche sich als eigentliche Perlen des Jahrganges 2025/26 erwiesen hatten. Das «Perlentauchen» ist ein fester Bestandteil des KZU-Kultur-Kalenders – und dass es zum dreizehnten Mal am Freitag, dem 13. März 2026 stattfinden sollte, erwies sich als abergläubische Knacknuss für alle, die Übersinnliches gerne in den Wind schlagen. «Es wird gefeiert» verkündete das Plakat der Mensa selbstbewusst – die abge-tauchte Beamertechnik behauptete allerdings mit absoluter Starrköpfigkeit «Überprüfen Sie die Eingangsklemme». Eben, Freitag, der 13! Neo-Prorektor Patrick Wehrli, Gastgeber, musste sehenden Auges miterleben, wie sich der Aulaeingang zunehmens zur Eingangsklemme entwickelte, ohne dass die herausgeputzen Gäste den Theatersaal betreten konnten. Doch wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Und welcher Spruch würde den besser dazu passen, was die rund 18 ca. 18jährigen Protagonist*innen dem Publikum staunenden Auges vorführten. Jede Maturarbeit beginnt ja schliesslich auch mit einer (fruchtbaren) Eingangsklemme – wenige landen zum Schluss auf der Perlentauchen-Bühne. Abergläubisch sein darf man dabei nicht, denn wer Angst hat vor programmatischem Scheitern wird kaum je Höchstleistungen erbringen.

Zehn Maturand*innen präsentierten ihre Werke im Foyer, sechs traten mit Vorträgen auf der Bühne auf – und weitere zwei gaben im Laufe des Abends Einblick in ihr Schaffen als Zauberer und Modedesigner. Musikalisch umrahmt wurden die stimmigen Auftritte von Noemi Peier und Jil Grabner (Klavier, Gitarre, Voices; 6m) und von der Schülerband.

Ehrgeizig das Unterfangen von Siri Moser, 6k, mit Apnoetauchen sich einem Selbstversuch zu unterziehen. Nach über vier Minuten Luft weg blieb diese dem Publikum definitiv auch weg.

Intim die Ausführungen von Ayana Albrecht, 6d. Sie befasste sich mit ihrem eigenen Leben und demjenigen vieler Adoptivkinder in einem berührenden Dokumentarfilm mit dem Titel «DANKBAR». Das Publikum dankte mit warmem Applaus.

Fancy wie Alexander Rieser, 6i, seine selbst gefertigte, kultige und stylische Wigglegram Camera in Szene setzte. Einfach grossartig. Die Zuschauer*innen wähnten sich bei Steve Jobs Keynote – nur besser und witziger. Punkto Storytelling, Minimalismus und Charisma stand Alexander dem Original in Nichts nach.

Politisch die Arbeit von Anna Németh, 6m. Sie setzt der ungarischen Fidesz Partei einen Spiegel vor und hofft, dass den Ungar*innen bei den kommenden Wahlen im April ein Auge aufgeht.

Mutig das Unterfangen von Eva Schurter, 6a, das Essen von Insekten auch in unserem Kulturkreis populär zu machen. Die Zuschauer verköstigten sich immerhin in der Pause mit Insekten-Snacks. Gar nicht so schlecht…

Explorativ die Reportage eines Lost Place in Indonesien von Kai Stucki, 6i, der sich ganz der Fotografie und dem Erleben von Lost Places auf der ganzen Welt gewidmet hat. Beruhigend zu wissen für alle «Urbexer» (in freier Übersetzung: Unterland Explorer), dass die KZU trotz baldigem Abgang all dieser Toptalente, störrischer Technik und über 50jähriger Räumlichkeiten nicht droht, ein Lost Place zu werden.

Jede Programm ist aber nur so gut wie sein Zwischenprogramm. Das zeigte sich einmal mehr bei den Intermezzi. Justin Walder, 6c, verzauberte und verblüffte das Publikum und bei Lianel Denzlers, 6m, extravaganter Modekollektion mit noch exklusiveren Hüten hütete man sich davor zu meinen, eine gute Maturitätsarbeit sei reine Zauberei. Hut ab vor all diesen Leistungen! Nicht zuletzt erwies sich der Abend als freitäglicher Hochgenusswochenabschluss, weil die beiden Prorektoren, Patrick Wehrli – von den Schüler*innen aufgrund seiner legendären Chemie-Shows liebevoll «Zauber-Wehrli» genannt – und «Sportass» Prorektor François Rey dem Showtalent nicht abhold sind und kreativ, wertschätzend und witzig durch den Abend moderierten. Fragt sich nur, wann die beiden ihre eigene Show kriegen. Schön die Schule, an der sich auch Rektor Roland Lüthi öffentlich von seinen Schüler*innen verzaubern lässt. Und das ist durch und durch (un)allegorisch zu verstehen.

Text, Bilder, Videos: Jost Rinderknecht; Bemerkung: Das Modeschau-Video ist aus urheberrechtlichen Gründen anfangs musikfrei.