Pillen, Salben, Spritzen – auf dem Weg an die Spitze der Ecoländer

Die Studienwoche«OEKOWI» der 5. Klassen verbindet ökonomisch-ökologische Schulung mit Klamauk und Vorferienstimmung.

Es ist Jahr für Jahr eine energetische Gratwanderung: Mit der Zweihundertschaft der 5. Klassen spielt ein Team von rund 15 Kursleiter*innen aus zahlreichen Fachschaften unter der Leitung der beiden W&R-Lehrer Cyrill Gruber und Ibrahim Gürbüz das Planspiel «Ecoland» des Vereins «wirtschaftsbildung.ch». Die Fassung, die gespielt wird, umfasst weitere, kzu-spezifische Elemente, u.a. die Konfrontation der Schüler*innen mit zahlreichen «echten» Rollenvertreter*innen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Das Spiel, in welchem eine Volkswirtschaft simuliert wird über vier Jahre hinweg, verlangt einen langen Schnauf von allen Beteiligten, geht es doch um komplexe gesellschaftlichen, ökologische und ökonomische Herausforderungen aller Art, die es anzugehen gilt. Das ist aber alles andere als einfach – zumal man in seinem «Ecoland» auch noch in Konkurrenz steht zu den weiteren sechs Ecoländern, die ebenfalls darum buhlen, die besten Zahlen in der dreidimensionalen Nachhaltigkeitsentwicklung zu erzielen nach vier Jahren des Wirtschaftens. Immer wieder schlagen Krankheiten und Absenzen dem Grossanlass ein Schnippchen – steckt doch das lange und dunkle Herbstsemester sowohl den Schüler*innen wie auch den Lehrer*innen in den Knochen.
Immer wieder ist es aber auch eindrücklich zu erleben, wie die Jugendlichen sich aufraffen, um in ihrer Rolle als Unternehmer, Regierungspräsidentin, Haushaltvorstand oder Journalistin aufzugehen. Das ist oft ganz ernsthaft, zuweilen aber auch sehr klamaukbehaftet und lustig. Zum Glück, ist man gewillt zu sagen – denn Politisieren ist zwar durchaus lustvoll, aber in Zeiten trüber Weltpolitik auch nicht nur. Die Wahl der Namen der Ecoländer und der dort produzierten Objekte geben auch dieses Jahr ganz ungewohnte Einblicke in den (Gemüts-)zustand der Jugendlichen. U.a. setzt «Solaria» ganz auf die Kraft der Sonne, «Kaffistan» auf ein uns allen bekanntes Aufputschmittel, die «DR Insulistan» produziert Spritzen, «Fortis» verspricht mirakulöse Muskelkraft dank der entsprechenden Crème und «Planterra» verkauft Erfolg mit Vitaminpillen. Die Sehnsucht nach dem einfachen «Mittel» mit (über)natürlichen Kräften, welche alle Probleme einer Gesellschaft auf einen Schlag löst, scheint gross zu sein… Verständlich. Vorerst aber heisst das Heilmittel Nr. 1: Ferien!

Text und Bilder (Schlussveranstaltung «die Stunde der Wahrheit»): Jost Rinderknecht